Bezirksentscheid des Vorlesewettbewerbs

Frau Lettow-Berger, Helena Hower, Frau Rind

Mittelbayerische Zeitung vom 25.02.2019
Vorlesewettbewerb: Helena Elisabeth Hower zum Bezirksentscheid

KELHEIM. Der Vorlesewettbewerb, den der Börsenverein des deutschen Buchhandels mit Buchgeschäften, Schulen und Bibliotheken organisiert, ist der größte Schülerwettbewerb in Deutschland:
Seit 1959 gibt es ihn, er findet heuer also zum 6o. Mal statt. Jedes Jahr machen 600 000 Schüler der sechsten Klassen aus 7000 Schulen mit. In Kelheim organisierte ihn Maria Rind von der Buchhandlung am Alten Markt. […]

Zur Siegerin wurde Helena Elisabeth Hower aus Lengfeld gekürt. Sie geht ins Kelheimer Donau-Gymnasium und las aus dem Buch „Mr. Griswolds Bücherjagd“. Sie nimmt nun am Bezirksentscheid des Vorlesewettbewerbs teil. „Ich war total aufgeregt“, sagte sie, „aber es ist gut gegangen.“

Die Nachricht im Regionalteil der Mittelbayerischen Zeitung ist zwar sehr erfreulich, die relativ nüchterne  Darstellung vermag aber keinen realistischen Eindruck von der Spannung und Emotionalität dieser Erfahrung zu vermitteln, wie sie die Schülerin erlebt hat. Deshalb hat sich unsere Schulsiegerin bereit erklärt, einen spannenden Erlebnisbericht aus ihrer Perspektive exklusiv für die Homepage der Schule zu verfassen:

Vorlesewettbewerb: Spannender Sieg beim Kreisentscheid

Es war mucksmäuschenstill im Raum und die Zuhörer lauschten gebannt, als die erste Teilnehmerin zu lesen begann. Zu diesem spannenden Lesewettstreit, dem Kreisentscheid (veranstaltet vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels), hatten sich Eltern, Geschwister und auch Lehrer der Sieger/-innen im Schulvorlesewettbewerb im „Deutschen Hof“ in Kelheim versammelt. Unter ihnen befanden sich auch meine beiden besten Freundinnen, meine Eltern und Frau Pinsker. Die Jury wurde aus Lehrern nicht beteiligter Schulen und Förderern des Wettbewerbs gebildet, geleitet von Frau Rind (Buchhändlerin in Kelheim).

Schon den ganzen Tag über war ich sehr nervös gewesen, weil dieser 20. Februar 2019 meine Chance war, mit einem drei Minuten langen Text zu zeigen, dass ich gut vorlesen kann. Im ersten Durchgang, in dem der von den Schülern jeweils selbst gewählte Text vorgetragen wurde, begann mein Herz laut zu klopfen, als mein Name fiel. Mit wackeligen Knien trat ich vor, ließ mich auf dem Leserstuhl nieder und trug meinen Text vor. Nach der ersten Runde, welche von allen gut gemeistert wurde, gab es in einer zehnminütigen Pause Kaffee, Getränke und Gebäck.

Danach verkündete Frau Rind, dass in der zweiten Runde von jedem der 15 Teilnehmer ein unbekannter Text aus dem Buch „Lippels Traum“ vorgelesen werden sollte. In alphabetischer Reihenfolge hatte jeder erneut die Aufgabe, sein Können unter Beweis zu stellen. Hier jedoch unterschieden sich die Sechstklässler deutlich voneinander. Nach Minuten, die sich für mich wie Kaugummi dehnten, hatte ich den Fremdtext tatsächlich ohne einen einzigen Fehler vorgetragen. Erleichtert setzte ich mich wieder auf meinen Platz zurück. Waren die anderen besser gewesen? Die zweite Pause, in der sich die Jury zurückzog, um sich zu beraten und die Siegerin oder den Sieger festzustellen, kam mir noch länger vor. Wie lange brauchten sie bloß? Und vor allem: War die Konkurrenz stärker?

Als die Juroren sich endlich wieder an ihren Tisch setzten, verstummte das Publikum und alle Blicke richteten sich nach vorne zu Frau Rind, die nun erneut das Wort ergriff. Sie betonte noch einmal, dass der Jury die Entscheidung nicht leicht gefallen war, sie aber dennoch eine Siegerin ermittelt hatte. Eine Jurorin stand auf und begann zu sprechen. Angespannte Stimmung breitete sich im Raum aus, denn bestimmt hatten alle Leser diesen großen Wunsch wie ich – zu gewinnen. „Und die Siegerin ist …“ Ich hielt den Atem an, denn sie warf einen längeren Blick auf mich. „Helena Elisabeth Hower!!!“ Vor lauter Freude machte mein Herz einen riesigen Hüpfer und der dicke Kloß in meinem Hals löste sich auf. Ich hatte es geschafft! Alle Anspannung fiel von mir ab, als mich meine Freundinnen, die neben mir saßen, fest drückten. Aber auch meine Eltern umarmten mich und Frau Pinsker gratulierte mir zu diesem Erfolg. Während mich ein Vertreter der Presse interviewte, hatte ich ein breites Lächeln auf den Lippen. Die Veranstalter überreichten mir eine Urkunde und es wurden gemeinsame Fotos geschossen. Jedoch ging niemand mit leeren Händen nach Hause: Jedem Leser wurde ein Buch überreicht mit dem Titel: „Das Museum der sprechenden Tiere“. Nach einem anstrengenden Nachmittag war ich sehr stolz auf mich und froh darüber, so nette Leute um mich herum zu haben. Ob es für mich auch noch in die Bayern-Ebene geht, weiß ich noch nicht. Jedenfalls freue ich mich, das DGK und meine Klasse für diesen Wettbewerb vertreten zu haben.

Helena Hower (Klasse 6d)

Anmerkungen der Redaktion: 
Da kann wohl jemand nicht nur besonders gut lesen …