SoR/SmC-Projekttag 2018: „Cybermobbing und Sexting“

Gespannt verfolgen die Schüler den Vortrag von Frau Bauer. (Foto: Julia Esser)

„Wie beeinflussen Schönheitsideale, Rollenbilder, Werbung und soziale Netzwerke dein Verhalten?“ – Mit dieser Frage wurden am 24. Juli mehr als 100 Siebtklässler konfrontiert. Als Mitglied im Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ führt das Donau-Gymnasium jedes Jahr ein Projekt durch, das präventiv gegen Diskriminierung und Gewalt wirken soll. 2018 organisierten fünf Schülerinnen der 9. Jahrgangsstufe unter der Leitung von Herrn Heide einen Projekttag für die Schüler der 7. Jahrgangsstufe zum Thema Cybermobbing und Sexting. Die Schüler der 7. Klassen des Donau- Gymnasiums Kelheim sitzen mit eher niedrigen Erwartungen auf ihren Plätzen und warten auf den Beginn des Projekttags. Alles, was sie bisher wissen, ist das Thema: Cybermobbing und Sexting. Viele von ihnen denken: „Das wissen wir doch eh schon, das wird bestimmt voll langweilig“ und „Das einzig Gute ist, dass wir keinen Unterricht haben“.

Am Ende dieses Tages sind viele der Schüler allerdings überrascht darüber, wie wenig sie bisher zu diesem Thema wussten und dass sie doch noch so viel Neues gelernt haben.

Cybermobbing als Straftatbestand

Zum Einstieg in das Thema Cybermobbing sehen die Schülerinnen und Schüler einen Film mit dem Titel „Netzangriff“. Die Referentin, Frau Bauer, Präventionsbeamtin bei der kriminalpolizeilichen Beratungsstelle des Polizeipräsidiums Niederbayern, erklärt anhand von Beispielen aus dem Film, von realen Fällen und aus eigener polizeilicher Erfahrung, dass man sich z.B. schon strafbar macht, wenn man Bilder von anderen Personen ohne ihr Einverständnis über WhatsApp an andere Personen verschickt oder in sozialen Netzwerken veröffentlicht. Zudem wird der Unterschied zwischen „normalem“ Mobbing und Cybermobbing erklärt und die Schüler werden über die Strafen und Konsequenzen aufgeklärt, die so etwas nach sich zieht. Wenn man beispielsweise ein Nacktfoto eines Mitschülers oder einer Mitschülerin ohne dessen bzw. deren Einverständnis an seine Freunde weiterschickt, kann man eine Anzeige wegen Verbreitung pornografischen Materials als Minderjähriger bekommen, die bis zu fünf Jahre in einem Strafregister gespeichert wird. Das kann Nachteile beim Finden eines Jobs oder eines Ausbildungsplatzes zur Folge haben, da manche Arbeitgeber erst ein polizeiliches Führungszeugnis sehen wollen, bevor sie eine Bewerbung annehmen.

Neben diesem 90-minütigen Haupt-Event durchlaufen die Siebtklässler unter der Anleitung der Schülerinnen der 9. Jahrgangsstufe drei weitere 30-minütige Kurz-Workshops:

„Sex sells“: Sexualisierte Darstellungen in der Werbung

In dieser Gruppe werden den Schülern zuerst diverse Werbeplakate für Parfum, Klamotten oder Schuhe gezeigt, welche in dem Beispiel Parfum ein am Strand liegendes, sich küssendes, nacktes Pärchen und nur relativ klein auf der linken Seite des Plakats das eigentliche Produkt zeigt. Die Schüler sollen herausfinden, ob auf den ersten Blick klar ist, welche Produkte auf den Plakaten eigentlich beworben werden, was die jeweilige Werbung dem Käufer von dem Produkt verspricht und warum diese sexualisierte Art von Werbung so gut funktioniert.

Schönheitsideale und Rollenbilder

Auch in dieser Gruppe arbeiten die Schüler größtenteils selbstständig. Zuerst schreiben Jungen und Mädchen getrennt voneinander auf, was sie am anderen Geschlecht attraktiv finden und welche Berufe typisch für das jeweilige Geschlecht sind. So sollten Männer z.B. durchtrainiert sein, aber nicht zu muskulös und als Rechtsanwalt, Arzt oder Bauarbeiter arbeiten. Frauen sollten schlank sein und trotzdem einen großen Busen und/oder Hintern haben und als Krankenschwester, Putzfrau oder Hausfrau arbeiten. Im Anschluss stellen sich die Schüler gegenseitig ihre Ergebnisse vor und überlegen sich, wodurch diese Klischees, Rollenbilder und Schönheitsideale entstehen und geprägt werden und welchen Einfluss sie auf die Selbstakzeptanz, das Selbstbewusstsein und das Handeln einer Person haben können. Zum Beispiel wird durch Schönheitsoperationen versucht, dem Ideal so nah wie möglich zu kommen. Die Kosten, die Risiken und mögliche gesundheitliche Folgen solcher Eingriffe sind für die betroffenen Personen zweitrangig.

Sexualisierte Selbstdarstellung in den sozialen Netzwerken

Hier soll den Schülern vermittelt werden, dass sie sich in den sozialen Netzwerken nicht nur auf ihr Aussehen reduzieren sollen, außerdem, welche Folgen sexy Fotos im Internet haben können. Der Grund für sexualisierte Selbstdarstellung ist meist der scheinbare Gewinn an Beliebtheit oder die Bestätigung der eigenen Attraktivität. Für Unbekannte geht von solchen Fotos sexualisierter Selbstdarstellung die klare Botschaft aus: „Ich bin vor allen Sex“, was problematisch werden kann, wenn z.B. Erwachsene unter falscher Identität Jugendlichen sexuelle Angebote machen, sich mit ihnen treffen oder ihre Adresse haben wollen. Es ist deswegen nicht gleich schlecht, Fotos von sich selbst im Internet hochzuladen, nur sollte man darauf achten, wie man sich auf dem Bild darstellt und dass das Internet nichts vergisst. Außerdem sollte man sich bewusst sein, dass das, was wirklich zählt, reale, ehrliche Freunde und die inneren Werte sind und nicht nur das Aussehen und die Zahl der Likes.

Insgesamt wurden der Projekttag, die Themenauswahl und die Organisation von den Teilnehmern durchschnittlich mit „gut“ bewertet. Auf Nachfrage erklärte einer der Schüler, wie „krass“ es sei, dass man sich schon durch das Weiterleiten eines Bildes strafbar machen kann und dass er in Zukunft genauer darüber nachdenken werde, welche Fotos er ins Internet stellt. Danach gefragt, was ihrer Meinung nach bei künftigen Projekttagen behandelt werden solle, gaben die Siebtklässler als Wunschthemen v.a. Suizid, Drogenmissbrauch/Drogenhandel und Rassismus an.

Text: Rahel Beyer